Aktuelles

26. 04. 2014

Deutsch-polnische Märchen –
eine „Frühlingswanderung“

Bericht zur deutsch-polnischen Begegnung zwischen

der ZSP Nr. 1 Jarocin und der Kinzig-Schule Schlüchtern

 

Von Björn Keilwerth, Kinzig-Schule

Termin: 30.03.2014 – 04.04.2014

Verantwortlich für die Durchführung: Hr. Elm, Benjamin; Hr. Keilwerth, Björn (beide Kinzig-Schule)

Betreuer auf polnischer Seite: Fr. Karwacka, Małgorzata; Hr. Gorzelańcyk, Grzegorz (beide ZSP Nr.1)

 

Tag 1 (Montag, 31.03.2014):

Nach der Anreise der polnischen Delegation am Sonntagabend (Unterbringung in der Jugendherberge der Burg Schwarzenfels) stand nach der Begrüßung am nächsten Morgen das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund. Hierzu hatten Schüler des BG sich bereiterklärt, diese Maßnahmen gemeinsam mit den polnischen Jugendlichen durchzuführen. Zu bemerken war hier, dass ein gemeinsames Kennenlernen ohne Moderation der betreuenden Lehrkräfte anscheinend schneller und effektiver Früchte trägt, was innerhalb des Montags als auch in den folgenden Tagen zum Vorschein kam. (Als Vergleich sind hier Kennenlernphasen aus vergangenen Jahren anzuführen.) Zudem führten die deutschen Schülerinnen und Schüler ihre polnischen Mitschülerinnen und Mitschüler durch die Schule, so dass diese einen kurzen Einblick in die Schule und den deutschen Schulalltag bekommen konnten.

Nach dem Mittagessen folgte das eigentliche Projekt bzw. die geplanten Workshops. Die Schülerinnen und Schüler sollten zusammen ein Märchen bzw. eine Szene aus diesem Märchen bearbeiten und präsentieren. Um eine wünschenswerte Durchmischung von Polen und Deutschen zu gewährleisten, wurden die Gruppen im „Märchen-Puzzle-Verfahren“ zusammengestellt. Nach dieser Zufallsverteilung hatten die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, sich erst in den jeweiligen Märchentext hineinzulesen. Dabei war darauf zu achten, dass die Märchen sowohl in Deutsch als auch in Polnisch zur Verfügung standen.

Das Thema, die Vorbereitung und die Präsentation dienten hier vor allem zum Auseinandersetzen gemeinsamer Literatur und Märchenkultur, als auch zur Förderung kreativer, sprachlicher und transkultureller Kompetenzen sowie das Finden eigener Fähigkeiten im Bereich des Darstellenden Spiels.

Tag 2 (Dienstag, 01.04.2014):

Der Vormittag stand ganz im Zeichen der Workshop-Arbeit, indem sich Geplantes weiterentwickelte und die Herausforderungen erste Konturen annahmen. Dabei wurde intensiv gearbeitet, kommuniziert, gelacht und der Kreativität freien Lauf gelassen. Trotz Sprachbarrieren war es möglich, sich untereinander zu verständigen. Die gemeinsame Aufgabe oder besser das gemeinsame Finden einer Lösung konnte durch „gegenseitiges Kauderwelsch“ nicht verhindert werden. Auch wenn Polnisch und Deutsch für den jeweils anderen eine fast unüberwindbare Aufgabe waren, so konnte doch auf Englisch als gemeinsame Verständigungsbasis zurückgegriffen werden.

Nach dem Mittagessen hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit ihre neu aufgebauten Freundschaften beim Sport zu vertiefen. Hier ist zu erwähnen, dass von Anfang an der Wunsch der Jugendlichen bestand, in gemischten Teams spielen zu wollen. Die sportliche Phase an diesem Tag, die geprägt von Volleyball und Fußball war, war also kein Konkurrenzkampf zwischen Deutschen und Polen, sondern ein gemeinsames Miteinander, was auch von den betreuenden Sportlehrern Josefine Wolf und Christian Klug bestätigt wurde.

Als Tagesabschluss besuchte die Gruppe eine Aufführung im Marionettentheater „Die Holzköppe“ in  Steinau an der Straße. Die Aufführung „Das gestiefelte Rumpelkäppchen“ versprach eine interessante Art von Neuinterpretation bekannter und eher unbekannter Märchen. Herauszuheben ist hier, dass Jugendliche, besonders in Zeiten moderner Medienvielfalt, sich mit einem traditionsbehafteteren Unterhaltungsmedium auseinandersetzten.

Tag 3 (Mittwoch, 02.04.2014)

An diesem Tag besuchte die Projektgruppe im Rahmen eines Tagesausfluges Kassel. Passend zum Thema konnten die Schülerinnen und Schüler eine Führung durch das Brüder-Grimm-Museum erleben und das Leben und Wirken der Brüder kennen lernen sowie dessen Einfluss auf die deutsche Sprache erkennen. Um das Gemeinschaftsgefühl zwischen den Jugendlichen zu stärken, durften sie die Gelegenheit nutzen, in Kassel gemeinsam Zeit zu verbringen. Ein Besuch auf dem „Herkules“ rundete das Programm ab, da polnische als auch deutsche Schülerinnen und Schüler hier die Möglichkeit nutzen konnten Erinnerungsbilder mit den jeweiligen neuen Freunden zu schießen. Am späten Nachmittag fuhr der Bus wieder zurück nach Schlüchtern.

Tag 4 (Donnerstag, 04.04.2014)

An diesem Tag konnten die Schülerinnen und Schüler ihre Theateraufführung fertig vorbereiten und als Neuinszenierung umsetzen. Dabei kamen die Kreativität, der künstlerische Ausdruck und der Humor nicht zu kurz. Deutsche sprachen polnisch, Polen deutsch – so dass jede Aufführung ihren eigenen Reiz hatte und für alle eine entsprechende Herausforderung darstellte, die mit viel Engagement in Angriff genommen wurde. Sprachbedenken konnten in der Vorbereitung durch intensives Sprachtraining abgebaut werden, so dass Schneewittchen zu Królewna Śnieżka wurde oder Jaś i Małgosia zu Hänsel und Gretel.

Großes Lampenfieber und Aufregung konnten die Jugendlichen beider Länder aber geschickt umgehen und allen Anwesenden ein kreatives Märchenpotpourri gelungen darbieten.

Ein Publikum aus Projekteilnehmern, Vertretern der beiden Schulen und Vertretern von Fördervereinen zollte den Aufführenden großen Respekt mit einem entsprechenden Applaus.

Anschließend hatte die deutsch-polnische Gruppe noch freie Zeit, sich u. a. über das Erlebte auszutauschen, bevor es abends dann zur Abschlussbegegnung kam. Kräftig unterstützt durch das Küchenpersonal von Burg Schwarzenfels konnte am Abend gegrillt und der Riesenhunger der Teilnehmenden gestillt werden. Neben dem gemeinsamen Small Talk bei Würstchen und Salat, nutzten Polinnen/Polen und Deutsche die Burgruine als „Ort der Freundschaft“, da sie diesen gemeinsam auskundschafteten und an diesem Abend noch lange zusammensaßen.

 

In diesem Sinne…

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24. 05. 2013

„Deutsch – polnisches Theater“

Von Björn Keilwerth

Im Zeitraum vom 8. April bis zum 15. April 2013 wurde das erfolgreiche Partnerschaftsprojekt zwischen der Kinzig-Schule in Schlüchtern und der Zespoł Szkół Ponadgimnazjalnych (ZSP) Nr. 1 in Jarocin mit großen Erwartungen fortgesetzt. Nachdem in den letzten Monaten leider immer finanzielle Probleme zur Nicht-Umsetzung von Projektphasen führten, waren die verantwortlichen Lehrkräfte (Roman Nowicki und Grzegorz Gorzelancyk auf polnischer sowie Margarete Kolenda, Björn Keilwerth und Ben Elm auf deutscher Seite) umso motivierter und gespannter, diesmal Neues, Altes, Spannendes und Traditionelles zusammen mit den Schülerinnen und Schülern umsetzen zu können. Schwerpunktthema der gemeinschaftlichen Woche war ein deutsch-polnischer Theaterworkshop, in dem die Schülerinnen und Schüler beider Länder gemeinsam in Kleingruppen unterschiedliche Satirestücke auf der Bühne aufführten. Quelle für die dargestellten Szenen waren kurze Satire-Exzerpte aus dem Buch „Mrożek Zabawa. Satire in lustloser Zeit. Eine Werkauswahl“ des Suhrkamp Verlages (Polnische Bibliothek). Trotz einiger Sprachbarrieren klappte die Kommunikation zwischen polnischen und deutschen Schülerinnen und Schülern relativ gut. Deutsch-polnische Wörterbücher und Google-Übersetzer sowie „native speaker“ halfen dabei, sprachliche Problemfälle zu lösen.

Neben ausführlichen Vorbereitungen und Proben in der Aula der ZSP und netten, gemeinschaftlichen Abenden u.a. in Żerków, bei denen nicht nur die Schülerinnen und Schüler, sondern auch die polnisch-deutsche Projektleitung und die Schulleitung der ZSP ihre Bowling- und Billardkünste unter Beweis stellen konnten, stattete die Gruppe am dritten Tag der Projektwoche der Stadt Breslau (Wrocław) einen Besuch ab.

Während dieses Tagesausfluges hatte die Gruppe Gelegenheit, die Stadt kennen zu lernen und bereits geknüpfte Freundschaften zu vertiefen. Eine knapp zweistündige Führung durch den Kern der ehemals schlesischen Stadt gab den Anstoß, sich mit Geschichte und Tradition der Stadt auseinanderzusetzen, aber auch die Moderne nicht außer Acht zu lassen. Ziel vieler Projektteilnehmer war daher das neu eröffnete Einkaufszentrum – die Galeria Dominikańska. Besonderes Augenmerk galt ebenfalls den Zwergen. Was einst als politische Protestaktion (Pomarańczowa Alternatywa) in den 1980er Jahren begann, gilt heute in Breslau als touristisches Highlight. Die inzwischen auf fast 200 Zwerge angewachsene Zwergengruppe ist in ganz Breslau verteilt. Diese Tatsache verleitete einige Schüler dazu, eine Zwergen-Foto-Safari zu veranstalten. Jedoch konnten aufgrund der Zeit und der weitläufigen Verteilung nicht alle Zwerge „eingefangen“ werden!

Am letzten Tag der Projektwoche konnten die Schülerinnen und Schüler ihr schauspielerisches Talent unter Beweis stellen – insgesamt mit einem sehr positiven Ergebnis. Als Dank und Anerkennung gab es für alle Projektteilnehmerinnen und Teilnehmer ein Zertifikat der polnischen Schule bzw. der deutsch – polnischen Projektleitung über die Teilnahme und die produktive Mitarbeit bei diesem binationalen „Brückenschlag“.

Den gemeinsamen Abschluss erlebte die Gruppe beim Grillen auf dem Erlebnis-Bauernhof in Bachorzew, um zusammen ein positives Fazit zu ziehen. Denjenigen, die sich nach dem offiziellen Teil nicht trennen konnten, wurde noch die Möglichkeit eingeräumt, sich in der Unterkunft der deutschen Gruppe zu treffen und die Woche bzw. die letzten Tage ausklingen zu lassen.

Am Samstagmorgen machte sich der deutsche Teil der Projektgruppe zusammen mit den betreuenden Lehrern zurück in die Heimat. Gegen Abend konnten alle wieder in Empfang genommen werden.

Eine Nachlese zur Projektwoche zeigte, dass auch von Seiten der Schülerinnen und Schüler die erlebten Tage in positiver Erinnerung geblieben, etliche neue Freundschaften entstanden sind und eine Fortsetzung erwartet wird.

Dies spiegelte sich auch in vielen Schülerstimmen wider. Folgend ein Beispiel:

„[…] Ich habe es als sehr positiv empfunden, mit den polnischen Schülern so viel zusammengearbeitet zu haben. Die polnischen Schüler/innen waren sehr nett zu uns, haben versucht uns zu integrieren und man hat sich gleich wie zuhause gefühlt. Das Thema „Theater“ empfand ich als sehr spaßig und gruppenfördernd. […]

In diesem Sinne…


22. 11. 2011

Der Erfolg der vorangegangenen Projektphase, in der zum ersten Mal kreative Arrangements in den Bereichen „Film” und „Fotografie” im Mittelpunkt der Projektarbeit standen, diente für das binationale Leitungsteam unter der Beteiligung von Gymnasiallehrerin mgr Margarete Kolenda, mgr Grzegorz Gorzelańczyk, Lehrer (HR) Björn Keilwerth und mgr Roman Nowicki als Motivation, diese Arbeit fortzuführen.

So war die mittlerweile fünfte Projektphase des 2005 gestarteten Schulpartnerschaftsprojekts zwischen dem Beruflichen Gymnasium der Kinzig – Schule Schlüchtern und der ZSP nr 1 Jarocin geboren. Als Auftakt besuchten 23 Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums die Partnerstadt Schlüchterns, der Gegenbesuch ist für das Frühjahr 2012 geplant.

Erfolg zu haben setzt die aktive Teilnahme der beteiligten Schülerinnen und Schüler voraus. Gerade im Bereich der interkulturellen Kommunikation bedeutet dies eine echte Herausforderung für beide Seiten. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigten, dass kreative Projektarrangements (auch in der Kennenlernphase) diesem Ziel im besonderen Maße Rechnung tragen können. „Jarocin erfahren” war das Motto der diesjährigen Projektwoche in Jarocin, die vom 14. bis zum 19. November in der großpolnischen Kreisstadt stattgefunden hat. Dabei erhielten die Projektbeteiligten die Möglichkeit, Jarocin aus unterschiedlichen Perspektiven (Architektur, Alltag, Menschen) zu erkunden und zu erfahren. Mitbetreut wurde das Projekt von mgr Janusz Zwierzycki, Lehrer an der Partnerschule in Jarocin.

Neben „Austausch” und „Projektarbeit” bildet in jeder Phase der Bereich „Erkundung” eine dritte, tragende Säule des erfolgreichen Partnerschaftsprojekts. Die Schülergruppe besuchte diesmal den „Ostwall” (Festungsfront Oder – Warthe – Bogen), eine Bunkeranlage von einer Gesamtlänge von 30 Kilometern, die – seit den 1920er Jahren in Planung und seit 1934 im Bau gewesen – militärischen Zielen des national-sozialistischen Regimes dienen sollte. Der Bau wird heute nicht nur als Museum und Lernort genutzt, sondern ist Teil des größten Fledermausreservats Europas und ist in Teilen begehbar.

Vergangenheit und Gegenwart – diese Perspektive genoss auch in der Projektarbeit einen besonderen Stellenwert, und zwar die Reflexion der Vergangenheit aus der Gegenwartsperspektive, das Begreifen historischer Vorgänge durch Beobachtung des polnischen Alltags der heutigen Zeit.

Die entstandenen Arbeiten (Fotoaufnahmen, die den Alltag, nationale Eigenheiten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede abzubilden versuchten) zeigten, dass es den Schülern gelungen ist, ein tieferes Verständnis für das Vorgefundene zu entwickeln. Das Vorhaben einer Verständigung zwischen polnischen und deutschen Beteiligten, Grundvoraussetzung und Ziel einer gelungenen Zusammenarbeit, konnte nach Eindruck der deutschen auf diese Weise Gäste realisiert werden: „Die Offenheit der polnischen Schülerinnen und Schüler, ihre zuvorkommende Art haben mich positiv überrascht und haben uns bei der Zusammenarbeit geholfen”, äußerte sich der polnischstämmige BG – Schüler Daniel Stefankiewicz aus Salmünster. „Die aufeinander aufbauenden Arbeitsschritte des Fotoprojekts haben uns einfach zusammengebracht”, ergänzten Projektschüler Alexander Nickel (Gemünden – Schönau) und Daniel Iglhaut (Schlüchtern – Elm).

Michael Pohl aus Schlüchtern, dessen Eltern Ende der 1980er Jahre Schlesien Richtung Deutschland verließen und Jonas Schellenberger aus Sinntal – Schwarzenfels meinten einen Unterschied zu den deutschen Schülern entdeckt zu haben: „Im Unterschied zu deutschen Schülern pflegen die Polen einen anderen Umgang. Sie sind insgesamt zuvorkommender.” Projektschülerin Daria Fedorczuk betonte eine andere Dimension solcher Projektfahrten: „Wir haben nicht nur neue Freunde in Polen gefunden. Die gute Atmosphäre, die die Woche hindurch herrschte, hat auch das Zusammensein in unserer Gruppe positiv beeinflusst. Viele von uns kannten sich vorher nicht, das hat sich im Laufe der Zeit schlagartig geändert.”

Auch die neue deutsche Projektleiterin Margarete Kolenda zog nach der Projektwoche eine positive Bilanz: „Ich bin zuversichtlich, dass sich das Projekt auch in der Zukunft positiv weiterentwickeln wird, zumal wir großes Potenzial bei den Schülern entdecken konnten. Die Offenheit der Beteiligten bestärkt uns, den begonnenen Weg fortzuführen”.

04. 11. 2010

Die politische Wende vor zwanzig Jahren wie der Beitritt Polens zur EU vor sechs Jahren haben einem verstärkten Austausch zwischen Polen und Deutschland wie zwischen Bürgerinnen und Bürgern beider Länder beigetragen. Dabei kommt es zu Begegnungen nicht nur im Privaten, sondern auch immer häufiger im Berufsleben wie auf schulischer und Vereinsebene. Die Kenntnis von einander Trennendem und Verbindendem ist daher von existenzieller Bedeutung für das Gelingen interkultureller Kommunikation.

„Über Trennendes und Verbindendes. Nachbarn und Partner der Gegenwart und Zukunft“ lautet der Arbeitstitel der nunmehr vierten Phase des Schulpartnerschafts-projekts zwischen der Zespół Szkół Ponadgimnazjalnych nr 1 Jarocin und dem Beruflichen Gymnasium der Kinzig – Schule Schlüchtern. Dieser Schwerpunkt hat nach dem erfolgreichen Projektbesuch in Jarocin März diesen Jahres auch die Projektarbeit in Schlüchtern, in der Zeit vom 24. bis zum 29. Oktober, bestimmt.

Im Mittelpunkt der Projektarbeit – neben den Projektschwerpunkten „Film“ und „Gastronomie“ – stand ein Fotoprojekt (welches Projektschüler Hagen Rösch im Evaluationsgespräch als „ausgefallen“ bezeichnete), das die Schüler dazu ermutigen sollte, Gedanken über beide Länder und Nationen verbindende und trennende Sachverhalte, Phänomene zu machen und dies fotografisch zu dokumentieren. Das Bild der Schüler über das „Deutschland des Jahres 2010“ resp. „typisch deutsch“ variierte stark, die vielfältigen entstandenen Projektarbeiten zeugten von unterschiedlicher und differenzierter Wahrnehmung deutscher und polnischer Schüler. Projektschüler Kurt Dunkel hierzu: „Das Interessanteste daran war, Deutschland und seine Kultur mal “von außerhalb” betrachten zu können. Es war zum Teil sehr überraschend, was die Polen als “typisch deutsch” angesehen haben und vor allem, was sie damit verbunden haben. Zum Beispiel wurden Vorurteile aufgezeigt, die ich nicht kannte, aber auch die allem Anschein nach doch sehr
große Vorbildfunktion Deutschlands angesprochen. Mir persönlich hat diese Erfahrung am meisten gebracht.“

So verbanden einige mit „typisch deutsch“ die Ordnungsliebe der Deutschen, die
für Polen unbekannte Phänomene hervorbringen würde: So unter anderem die uns
wohlbekannten kleinen Tüten, die helfen sollen, die Hinterlassenschaften von
Vierbeinern zu entsorgen. Einen kleinen Differenzierungsbedarf erfuhr dieser Punkt
durch die Aufmerksamkeit anderer polnischer Schüler, die auf eine unaufgeräumte
Stelle in der Erfurter Innenstadt hingewiesen haben. Genauso stießen die Nutzung
alternativer Energiequellen und der liberal – konstruktive Umgang der Deutschen
mit Regeln und Normen auf Beachtung bei den polnischen Gastschülern.

Die deutschen Projektschüler hingegen erkannten – auf Grundlage ihrer
Erfahrungen bei der letzten Begegnung in Jarocin – u. a. die Bedeutungsunterschiede
des Nationalen bzw. des Historischen, was in Polen einen ganz anderen
Stellenwert genießt als in Deutschland. Genauso fielen den Projektteilnehmern
kulturelle und Mentalitätsunterschiede auf: Nicht zuletzt führten die Projektschüler
diese auf andere Rahmenbedingungen in den jeweiligen Ländern zurück. So gehöre,
wie die Projektteilnehmer treffend erkannten, das Zusammenleben von Menschen
unterschiedlicher Herkunft genauso zu Deutschland der Gegenwart wie Birkenstock-schuhe, gewachsene Bierkultur und Parkordnung.

Eine andere Art von Begegnung bot die Analyse von Filmen von deutschen und in
Deutschland lebenden polnischen bzw. polendeutschen Regisseuren, die (in den
Genres „Spielfilm“, „Dokumentarfilm“ und „Komödie“) ihren ganz individuellen
Zugang zur deutsch – polnischen Koexistenz suchten bzw. fanden. Als ein
besonders gelungenes Beispiel, gerade durch die Überzeichnung vermeintlicher
Stereotypen, empfanden die Teilnehmer -in der anschließenden Diskussion- den
Film „Polska Love Serenade“ der jungen Regisseurin Monika Anna Wojtyllo.

Begegnungen setzen die Bereitschaft voraus, mobil zu sein. So führten die
Projektteilnehmer an zwei Tagen Exkursionen durch. Eine von BG – Schülern
organisierte und betreute Fahrt führte nach Thüringen. Hier stellten die beruflichen
Gymnasiasten Matthias Marx und Carsten Schumacher den Projektteilnehmern
Geschichte und Gegenwart wie das kulturelle Erbe von Gotha und Erfurt vor.

Die zweite Exkursion führte unter Beteiligung des deutsch – polnischen
Projektleitungsteams (mgr Grzegorz Gorzelańczyk, mgr Roman Nowicki und mgr
Janusz Zwierzycki polnischerseits, die Lehrkräfte Margarete Kolenda und Björn
Keilwerth sowie Studienrat Richard Guth deutscherseits) nach Darmstadt, zum vor
30 Jahren, inmitten des Kalten Krieges, gegründeten Deutschen Polen – Institut
(DPI). Der Gastgeber, Dr. Andrzej Kaluza, Leiter der Abteilung “Öffentlichkeitsarbeit”, stellte den Gästen Geschichte und Gegenwart der Einrichtung in der Jugendstil – Villa “Olbricht – Haus” auf der Mathildenhöhe vor und stellte sich Fragen der Anwesenden, auch bezüglich Chancen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit junger Menschen in einem vereinten Europa.

Dass die vom Institut geförderte interkulturelle Verständigung und ein Zusammenleben trotz geografischer Entfernung und Sprachbarrieren funktionieren können, bewiesen auch die Rückmeldungen der Projektschülerinnen und –schüler:„Zusammen oder getrennt? Diese Frage stellten wir uns am Anfang des von Jarocin und Schlüchtern durchgeführten Projekts. Trotz der sprachlichen und mentalen Hemmungen stellte sich heraus, dass wir Gemeinsamkeiten finden und zusammen herrlich Zeit verbringen können. Der Aufenthalt in Deutschland bewies, dass es die Möglichkeit besteht, eine Verständigung zwischen unserer Generation und der Generation der jungen Deutschen zu erzielen„, äußerte sich am Ende der gemeinsamen Projektwoche die polnische Projektschülerin Zuzanna Borowczyk.

Die gelungene Integration bestärkt das Projektteam in seinem Vorhaben, in den kommenden Projektphasen (zunächst im Schuljahr 2011/12) kreative Arrangements anzubieten, die eine Zusammenarbeit zwischen den polnischen und deutschen Schülern ermöglichen und das gegenseitige Verständnis weiter fördern. Der begonnene Weg, so die einhellige Meinung der Beteiligten, soll fortgeführt werden: Film und Fotografie erwiesen sich als geeignete Mittel und sollen den Projektteilnehmern eine weitere Annäherung auch in den Bereichen “Kunst” und “Literatur” ermöglichen.

22. 03. 2010

Die politische Öffnung vor zwanzig Jahren wie der Beitritt Polens zur EU vor sechs Jahren haben einem verstärkten Austausch zwischen Polen und Deutschland wie zwischen Bürgerinnen und Bürgern beider Länder beigetragen. Dabei kommt es zu Begegnungen nicht nur im Privaten, sondern auch immer häufiger im Berufsleben wie auf schulischer und Vereinsebene. Die Kenntnis von einander Trennendem und Verbindendem ist daher von existenzieller Bedeutung für das Gelingen interkultureller Kommunikation.

„Über Trennendes und Verbindendes. Nachbarn und Partner der Gegenwart und Zukunft“ lautet der Arbeitstitel der nunmehr vierten Phase des Schulpartnerschaftsprojekts zwischen der Zespół Szkół Ponadgimnazjalnych nr 1 Jarocin und dem Beruflichen Gymnasium der Kinzig – Schule Schlüchtern. Schwerpunkt der Projektarbeit, die neben den Bereichen „Erkundung“ und „Austausch“ den dritten Bereich der Zusammenarbeit darstellt, ist die Untersuchung von einander Trennendem und Verbindendem und deren Konsequenzen für unsere Länder, aber auch für unser Verhalten und Umgang miteinander im europäischen Kontext. Deren (Er-) Kenntnis und Reflexion soll den Schülerinnen und Schülern neue Einblicke ermöglichen und Chancen für eine Zusammenarbeit bieten.

In der Woche des 15. März 2010, als Auftakt der vierten Projektphase, hielten sich 26 Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums und vier Betreuer, ehemalige berufliche Gymnasiasten, in unserer Partnerstadt Jarocin auf und führten zusammen mit 24 polnischen Projektschülerinnen und –schülern das oben vorgestellte Projekt durch. Dieses Jahr nahmen an der Gestaltung der Projektwoche zwei Kolleginnen und Kollegen, die ihren Dienst an der Kinzig – Schule vor kurzem aufgenommen haben, teil: Frau Margarete Kolenda und Herr Björn Keilwerth sollen in der Zukunft die Arbeit des Leitungsteams unterstützen.

Die von den beiden polnischen Leitungsteammitgliedern mgr Roman Nowicki und mgr Grzegorz Gorżelańczyk vorbereiteten Programmschwerpunkte  und Projektarrangements erwiesen sich als sinnvoll und boten für die polnischen und deutschen Projektschüler/innen vielfältige Integrationsmöglichkeiten und ein kreatives Arbeiten.

Sprachbarrieren konnten durch Aktivitäten in den Bereichen „Landeskunde“, „Gastronomie“ und „Fotografie“ gestalterisch überwunden werden. Dabei haben Schülerinnen und Schüler beider Schulen unter Anleitung von Fachlehrerinnen Speisen vorbereitet und diese anschließend fachkundig präsentiert. Im Rahmen des Projekt „Fotografische Annäherung an einander Verbindendes und Trennendes“ sollten die Schüler Auffälliges fotografisch festhalten. Eine Auswahl von Bildern, ergänzt um Bildaufnahmen im November, wird die Basis für eine Ausstellung (mit Internet – Dokumentation) bilden.

Integrationsübungen und kreative Arrangements wurden durch Aktivitäten insbesondere am „Deutschen Tag“ sinnvoll ergänzt. Diese Veranstaltung vereinte vielfältige Angebote, die unter reger Teilnahme der Schulgemeinde der Jarociner Partnerschule, die an diesem Tag einen Projekttag beging, durchgeführt wurden, in sich, und wurde zum Teil sehr aufwendig gestaltet. So kleideten sich Dutzende polnische Schülerinnen und –schüler als „typische“ Polen und Deutsche und lieferten einen Wettbewerb um die Gunst der Gäste und der Jury.

Das Herzstück des Tages, an dem auch der Landkreis in der Person von Vizelandrat Przemysław Musielak und der Partnerschaftsverein Jarocin – Schlüchtern durch Mariusz Każmierczak vertreten waren, bildete das Wetteifern einer deutschen und einer polnischen Gruppe, die Fragen aus den Bereichen „Sprache“, „Politik“, „Kultur“ und „Landeskunde“ beantworten bzw. zugehörige Aufgaben lösen mussten. Das polnisch – deutsche Publikum wurde durch Angebote in die Aktivitäten des Projekttages einbezogen.

Eine genauso integrationsfördernde Funktion im Sinne des Kennenlernens polnischer Lebensgewohnheiten und Mentalitätsmuster –neben gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Feierstunden oder das Freundschaftsfußballspiel- erfüllten nach Aussagen der Schüler der Nachmittag mit den polnischen Projektschülern wie auch der Tagesausflug in die niederschlesische Metropole Breslau / Wrocław, die über Jahrhunderte hinweg an der Schnittstelle zweier Kulturen lag und weiterhin liegt und durch deren Nachkriegsschicksal als Memento für Flucht und Vertreibung stehend Polen und Deutsche verbindet.

Es hat sich insgesamt gezeigt, dass das Konzept des binationalen Leitungsteams von den Schülerinnen und Schülern bereitwillig angenommen wurde. So gelang die interkulturelle Verständigung, in den vergangenen Jahren vielfach an den Sprachbarrieren gescheitert, zwischen den polnischen und deutschen Projektteilnehmern, was das Leitungsteam positiv auf die für November geplanten Aktivitäten blicken lässt. Beim Projektbesuch im November sollen zum einen das  Projekt „Fotografische Annäherung an einander Verbindendes und Trennendes“ fortgeführt werden, zum anderen eine inhaltlich fundierte Auseinandersetzung mit dem Arbeitsschwerpunkt „Verbindendes und Trennendes“ auf Grundlage von Expertengesprächen und Begegnungen (unterstützt durch Mitarbeiter des Deutschen Polen – Instituts) erfolgen. Dabei sollen kreative Arrangements, die die Verständigung erleichtern sollen, weiterhin im Mittelpunkt stehen.

Die Aussagen von Schülerinnen und Schülern „Sprachbarrieren konnten durch das Engagement und den Kooperationswillen der Polen schnell überwunden werden“ (Florian Kaufmann), „man konnte neue Erfahrungen hinsichtlich abweichenden Verhaltens- und Denkweisen gewonnen“ (Matthias Marx), „die Verständigung ist gelungen“ (Mandy Hoffmann und Eva Leskopf) zeugen von den vielfältigen positiven Erfahrungen, die die deutschen, aber auch polnischen Schüler im Rahmen der Projektwoche gewonnen haben. Projektbetreuer Eugen Trautwein betonte dabei den Mehrwert, den solche Begegnungen bieten: „Das Partnerschaftsprojekt ist um Einiges sinnvoller als Klassenfahrten, denn es dient nicht nur der Festigung des Zusammengehörigkeitsgefühls bei den Kinzig – Schülern, sondern trägt gleichzeitig der Förderung der interkulturellen Kommunikation Rechnung“.

19. 06. 2009

Die Kinzig – Schule als Bildungseinrichtung nimmt seit vielen Jahren an Europa- Projekten teil und auf diese Weise sind vor fünf Jahren schulpartnerschaftliche Beziehungen zur Zespół Szkół Ponadgimnazjalnych Nr. 1 (Weiterführendes Schulzentrum Nr. 1) in Jarocin entstanden.

Im Projektjahr 2008/2009 erlebte das 2005 gestartete Schulpartnerschaftsprojekt (SPP) bereits seine dritte Phase zum Schwerpunkt „1989 – 2009. Zwanzig Jahre politische und gesellschaftliche Transformation in Ost – Mitteleuropa“. November 2008 besuchten 26 Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums die Partnerschule in Jarocin und führten mit den polnischen Partnern Projektaktivitäten durch. In deren Rahmen untersuchten sie Aspekte der jüngsten deutsch – polnischen Vergangenheit (Schwerpunkt: Wendezeit, Transformationsprozess seit 1989) und stellten ihre Ergebnisse am Ende der Projektwoche vor.

Darüber hinaus, und dies im Zeichen der Stärkung des Bewusstseins als europäische Partner, führten die Schüler Gespräche mit Zeitzeugen der Geschichte, besuchten die unweit von Jarocin liegende Ortschaft Dobrzyca, in der die deutsch – polnische Firma Multeafil residiert und unternahmen einen Tagesausflug in die Heimatstadt des großen Europäers Nikolaus Kopernikus, nach Thorn / Toruń.

Eine besonderen Höhepunkt in der Wahrnehmung gemeinsamer politisch – historischer Verantwortung stellte die Auseinandersetzung mit dem von der Bundesregierung geförderten Film „Am Ende kommen die Touristen“ (2007), der eindrucksvoll Chancen, Möglichkeiten und Notwendigkeit der europäischen Kooperation verdeutlicht.

Diese Projektaktivitäten wurden Juni diesen Jahres (14. – 19. Juni 2009) weitergeführt: Eine „Feldstudie“ an der ehemaligen deutsch – deutschen Grenze sollte dabei als Auftakt dienen. Als Vorbereitung wurden Bürgerinnen und Bürger in Jarocin und Schlüchtern zur Wahrnehmung des Transformationsprozesses befragt. Ihre Erfahrungen und Einschätzung hinsichtlich eines noch nicht vollständigen abgeschlossenen Prozesses wurden im Gespräch vor Ort bestätigt. In der ehemaligen DDR – Grenzgemeinde Großburschla traf sich die binationale Projektgruppe mit Zeitzeugen der Geschichte, so unter anderem mit dem ehemaligen Zollbeamten Jürgen Wilhelm (BRD) und dem pensionierten Lehrer und Altbürgermeister Hans – Joachim Aulich (DDR), die von ihren Erfahrungen über die Teilungszeit vor Ort im deutsch – deutschen Grenzraum berichteten. Koordiniert wurde das Treffen von Hubert Steube von der Interessensgemeinschaft Heldrastein. Abgerundet wurde die Feldstudie durch den Besuch im ersten deutschen Grenzmuseum „Schifflers Grund“ bei Bad Sooden – Allendorf, das am „Originalschauplatz“, an der ehemaligen Grenzlinie entstand.

Der Mittwoch stand im Zeichen der Diskussion um zentrale Fragen des Transformationsprozesses. Unter der Beteiligung des renommierten Polen – Forschers Manfred Mack vom Deutschen Polen – Institut Darmstadt und des Vorsitzenden der Europa – Union Main – Kinzig, Ernst Müller – Marschhausen ging es um eine Bilanz der vergangenen zwanzig Jahre und deren Bedeutung für gegenwärtige und zukünftige Generationen.

Im Rahmen von Workshops vertieften die Schülerinnen und Schüler ihre bisher gesammelten Erfahrungen hinsichtlich zentraler Aspekte binationaler Beziehungen in den vergangenen zwanzig Jahren und bereiteten die Ergebnisse in Form von Präsentationseinheiten für die Abschlusspräsentation am letzten Tag vor.
Vor geladenen Gästen, unter anderen Vizelandrat und Schuldezernent Günter Frenz, Bürgermeister Falko Fritzsch und Vereinsvorsitzendem Ernst Müller – Marschhausen, betonten die Schüler die Bedeutung der vergangenen zwanzig Jahre für die zukünftige Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden Ländern. Sie verwiesen dabei auf den hohen Stellenwert von Schülerbegegnungen und lobten die gemeinschaftlichen Projekt – und Freizeitaktivitäten, die im Rahmen des Partnerschaftsprojekts durchgeführt wurden.

Dies wurde als deutliches Zeichen für den beiderseitigen Willen gewertet, das Schulpartnerschaftsprojekt, nunmehr in der vierten Arbeitsphase, fortzuführen.

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